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  „Väterarbeit“ – Was ist das?  

  Der Versuch einer Definition.  

  „Väterarbeit“ – Was ist das?  

  Der Versuch einer Definition.  

Vaterschaft ist ein lebenslanger Prozess

Väterarbeit ist die psychosoziale oder kognitive Arbeit mit Männern, die Vater werden oder die als Vater wirksam sind. Sie betrachtet Vaterschaft als einen lebenslangen Prozess, der beeinflusst wird von der eigenen Kindheit und Vater-Erfahrung, von gesellschaftlichen bzw. religiösen Idealen, der Entwicklung des Kindes, der Beziehung zur Mutter und aktuellen äußeren Einflüssen. Bei Lebensübergängen des Kindes (Schwangerschaft, Geburt, Kita/Schule etc.) und durch den gesellschaftlichen Rollenwandel werden an Väter Anforderungen gestellt, die sie besonders empfänglich für spezifische Orientierungsangebote und ressourcenorientierte Unterstützung machen. Oft wird dieses Bedürfnis nicht vom eigenen Umfeld (z.B. eigener Vater) oder vorhandenen Angeboten der Familienbildung abgedeckt.

Das Wohl des Kindes steht im Vordergrund

Unter diesen Voraussetzungen zielt sie darauf ab, Männer darin zu stärken, ihr Lebens- und Beziehungsgefüge zum Kind und ihrer/ihrem Partner/in unter verschiedenen Lebensbedingungen und -phasen bewusst wahrzunehmen und ihre Präsenz individuell und verantwortungsvoll zu gestalten. Dabei steht das Wohl des Kindes im Vordergrund, das nach entwicklungspsychologischen Erkenntnissen das Bedürfnis nach einer stabilen, gewaltlosen, freudvollen und anregungsreichen Bindung zu Mutter und Vater hat. Durch einen stärkeren Anteil von Vätern an der Familien- und Fürsorge-Arbeit (Care) werden Mütter entlastet und wird die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in ökonomischen, sozialen und psychologischen Zusammenhängen gefördert.

Neue Väter statt „Patriarchat“

Väterarbeit sieht den „neuen Vater“ emanzipierter als in dem traditionellen Rollenbild, das gemeinhin mit dem Begriff „Patriarchat“ gekennzeichnet ist. Sie weist die Zuschreibung der alleinigen ökonomischen, juristischen und physischen Macht-Position an Männer zurück und betrachtet Rollenmodelle, bei dem Männer ihre „weichen“ Wesensanteile unterdrücken und lediglich eine ökonomische Funktionalität als nachteilige Beschränkung männlicher Entwicklungsfähigkeit. Sie hinterfragt auch die traditionell als „männlich“ gekennzeichnete Attribute wie „Heterosexualität“ als vermeintlich einzige Voraussetzung für gelingende Vaterschaft und fokussiert auf die verantwortliche Beziehung zum Kind und zu seiner Partnerin/ seinem Partner.

Alle Formen der Vaterschaft

Väterarbeit bezieht alle Formen von Vaterschaft mit ein: soziale Väter, Stief-, Adoptiv- und Pflege-Vätern. Sie wird im günstigsten Fall von Fachkräften durchgeführt, die selber Väter sind. Es geht ihr aber nicht darum, einen „Ersatzvater“ zu stellen, sondern eine positive „Vater-Identität“ zu reflektieren und zu stärken. Väterarbeit ist interdisziplinär und kann in der Familienbildung/Jugendhilfe, Gleichstellungs-Arbeit, Medizin, Personalpolitik der Unternehmen und in der Politik stattfinden.

Väterarbeit ist vielfältig

Die Arbeit mit Vätern kann aus Angeboten zur Alltags-, Lebens- und Freizeitgestaltung, zum Austausch und der Vernetzung, zur Beratung, Begleitung bzw. Coaching mit und ohne Kind bestehen. Sie beabsichtigt die Stärkung fürsorglicher Ressourcen, der Vermittlung von pädagogischem Wissen zu kindlichen Bedürfnissen (z.B. „Gewaltfreie Erziehung“) oder Informationen zu organisatorischen und rechtlichen Fragen (wie z.B. Elternzeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Sorgerecht, Umgangsgestaltung etc.).

Für Väter aus allen Milieus

Ihre Zielgruppen finden sich in unterschiedlichen Milieus, die örtlich oder überregional angesprochen werden können. Die Angebote der Väterarbeit beziehen sich entweder auf Familienstand (z.B. werdender Vater, gemeinsam-, allein- oder getrennterziehend etc.), Lebensalter (z.B. minderjähriger, junger, „später“ Vater etc.), Lebenslage (z.B. Arbeitslosigkeit, Migration, Flucht, Haft etc.), Entwicklungsphasen des Kindes (Geburt, Kleinkind, Pubertät etc.) oder Krisen-Situationen (Krankheit, Behinderung, Trennungs-/Scheidungs-Konflikte etc.)

Sie kann, stärker als in der klassischen Familienbildung, an unterschiedlichen Orten stattfinden, z.B., Kita, Schule, Betrieb, Fußballplatz etc., also dort wo Männer anzutreffen sind, und nutzt immer auch digitale Kommunikationswege (Internet, Soziale Netzwerke, Messenger-Dienste).

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