Genug Tränen – Eine Kampagne gegen Eltern-Kind-Entfremdung

11/11/2021
bis 10/11/2022
Online Kampagne

„Eltern-Kind-Entfremdung stellt ein seelisches Verbrechen an Kindern dar, ebenso wie körperliche Misshandlung! Das Tragische bei der induzierten Entfremdung ist allerdings, dass die Folgen im Vergleich zur körperlichen Misshandlung nicht unmittelbar sichtbar sind.“

Dr. Stefan Rücker

Eltern trennen sich und meistens finden sie eine gemeinsame Lösung im Sinne der Kinder. Es gibt aber zu viele Fälle, in denen das nicht so ist und Kinder den Kontakt zu einem Elternteil verlieren. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Eine Ursache ist das Phänomen der Eltern-Kind-Entfremdung (EKE)[1]. Bei EKE lehnen Trennungskinder einen Elternteil nach außen hin ab, ohne dass dies die tatsächlichen Bindungsverhältnisse widerspiegelt. Dabei handelt es sich um einen psychologischen Schutzmechanismus, um mit dem Elternteil, bei dem sie leben, nicht in Konflikt zu geraten. Denn dieser Elternteil beeinflusst das Kind gegen den anderen Elternteil – bewusst oder unbewusst. Die Kinder haben meist keine Chance, sich aus dieser Situation selbst zu befreien. Daher ist es wichtig, dass insbesondere Einrichtungen der Jugendhilfe und Familiengerichte genau hinschauen, wenn ein Kind nach einer Trennung den Kontakt zu einem Elternteil ablehnt. In einigen Fällen kann dies ein Hilferuf eines Kindes sein.

Eltern-Kind-Entfremdung ist vom europäischen Gerichtshof für Menschenrechte[2] als Form psychischer Kindesmisshandlung anerkannt, ebenso von einigen Landesärztekammern[3]. Dieser Form des Missbrauchs ist aber auch für das gesamte Familiensystem aus abgelehntem Elternteil, Großeltern, Onkeln, Tanten, weiteren Familienmitgliedern und nicht zuletzt dem induzierenden Elternteil selbst, eine massive Belastung mit weitreichenden psychischen Folgen für alle Beteiligten und mittelbar auch die Gesellschaft.

Das Aktionsbündnis gegen Eltern-Kind-Entfremdung hat die Kampagne „Genug Tränen!“[4] initiiert, um auf diese spezielle Form der Kindesmisshandlung aufmerksam zu machen und im Kinderschutz Tätige für das Problem und existierende Lösungsansätze[5] zu sensibilisieren.

 

[1] Behrend K (2009) Kindliche Kontaktverweigerung nach Trennung der Eltern aus psychologischer Sicht : Entwurf einer Typologie, Dissertation, pub.uni-bielefeld.de/record/2301270#fileDetails

[2] Aktuelle Urteile des EGMR zu EKE. papa-mama-auch.de/egmr-urteile/

[3] Gewalt gegen Kinder und Jugendliche – Erkennen und Handeln – Leitfaden für Ärztinnen und Ärzte bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/LeitfadenKinderschutzBay201203.pdf

[4] genug-traenen.de

[5] Auswege aus dem Elternstreit hochstrittig.org

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