Fachtag Scham

03/02/2022
9:30 bis 16:30 Uhr
Düren, Haus der Stadt

„…durch das Bewusstsein, (besonders in moralischer Hinsicht) versagt zu haben, durch das Gefühl, sich eine Blöße gegeben zu haben, ausgelöste quälende Empfindung“ (duden, 2020)

Das Jugendamt der Stadt Düren plant auch im kommenden Jahr einen interessanten Fachtag, der am 3. Februar im Haus der Stadt stattfinden soll.

ZEITPLAN

9:30 – 10:00 Ankommen/ Stehcafé

10:00 – 10:15 Begrüßung

10:15 – 11:45 Vortrag Dr. Stephan Marks „Scham, die tabuisierte Emotion“

11:45 – 13:15 Vortrag Prof Joachim Bauer „Beschämung und Scham: Neue soziale Seuchen unserer Zeit?“

13:15 – 14:00 Pause und Imbiss

14:00 – 16:00 Workshops

16:00 – 16:30 Abschlussrunde/Fazit

16:30 Schluss

VORTRÄGE

SCHAM, DIE TABUISIERTE EMOTION. DR. STEPHAN MARKS

Scham ist eine schmerzhafte Emotion, die in jeder Arbeit mit Menschen akut werden kann. Unerkannte Schamgefühle können z.B. zu Depression, Rückzug oder Sucht führen – oder in Zynismus, Trotz oder Aggression umschlagen. Daher ist es für alle, die mit Menschen arbeiten, wichtig, Scham zu erkennen.

BESCHÄMUNG UND SCHAM: NEUE SOZIALE SEUCHEN UNSERER ZEIT? PROFESSOR JOACHIM BAUER

Bezugspunkt der Scham ist der von außen auf mich gerichtete, mich wertende Blick des Anderen. Da sie immer dann ins Spiel kommt, wenn Menschen sich begegnen und miteinander zu tun haben, wird die Scham als soziale Emotion bezeichnet. Die Fähigkeit, Scham zu empfinden, ist für ein soziales Lebewesen wie den Menschen einerseits notwendig und etwas Gesundes. Andererseits kann die Scham, wenn ich die Entwertung eines anderen Menschen erlebe, oder wenn ich Scham –als den internalisierten und mich entwertenden Blick des Anderen– mit mir herumtrage, den Menschen lähmen

WORKSHOPS

  1. ÜBER DEN KONSTRUKTIVEN UMGANG MIT SCHAM DR. STEPHAN MARKS

Scham ist zwar schmerzhaft, hat aber auch positive Aufgaben: Sie schützt, so Leon Wurmser, die Menschenwürde. Was dies im Einzelnen bedeutet, dies wird – anknüpfend an den Vortrag – im Workshop erarbeitet: für die eigene Person, für die jeweilige Arbeit mit Menschen und für die Rahmenbedingungen dieser Arbeit.

  1. SCHAM UND BESCHÄMUNG IN DER SCHULE MANFRED SCHNEE

Beschämung von Schüler*innen durch das Lehrpersonal gehört immer noch zum Schulalltag. Wir schauen im Workshop genauer auf diese Schamprozesse, auf situationsbedingte und strukturelle Beschämung und wie wir dazu beitragen können, von einer Kultur der Beschämung zu einer Kultur der Anerkennung zu kommen. Der Workshop ist erfahrungsorientiert, bietet Möglichkeiten zum Austausch und Ideen für die eigene Praxis.

  1. SCHÄM DICH! SIMONE HOLZAPFEL

Was bedeutet es eigentlich, wenn wir aufgefordert werden, uns zu schämen? Wann entsteht ein Gefühl von Scham und was genau verbirgt sich hinter diesem Gefühl. Was verleitet uns, andere zu beschämen? Und wie gehen wir mit Gefühlen von Beschämung um? In diesem Workshop beschäftigen wir uns mit diesen Fragen anhand unserer eigenen Erfahrungen mit schambesetzten Gefühlen. Und schämen braucht sich hier sicher niemand.

  1. SCHAM UND MÄNNLICHKEIT RENÉ LANGENFELD

Was hat hegemoniale Männlichkeit mit Scham zu tun? Gibt es gesellschaftlich projizierte Männlichkeitsbilder, die in uns ein Gefühl der Scham auslösen? Wie gehen wir mit Zuschreibungen um, die nicht unserem persönlichen Bild von Männlichkeit entsprechen? Was, wenn wir den „Anforderungen“ an Männlichkeit nicht genügen?
Der Workshop wagt einen Blick auf das eigene Männerbild und das der Jugendlichen mit denen wir arbeiten, und beleuchtet das Thema Scham, welches in der Bewältigung der Diskrepanz in der wir unsere Geschlechtlichkeit leben eine entscheidende Rolle spielt.

  1. KÖRPER, SEXUALITÄT UND SCHAM IM JUGENDALTER PROF. DR. BETTINA SCHUHRKE

Im Jugendalter treten Fragen nach dem „Wer bin ich?“ und „Wer bin ich für die anderen?“ in das Bewusstsein. Ebenso unabweisbar sind die körperlichen Veränderungen in Zusammenhang mit der Pubertät und der Drang nach sexuellen Erfahrungen mit Anderen. All dies erhöht die Verletzlichkeit Jugendlicher für eine selbstbewertende Emotion, wie es die Scham ist.
Im Workshop wird diesen Entwicklungen nachgegangen und nach Konsequenzen für einen angemessenen pädagogischen Umgang gefragt.

  1. SCHAM ALS RESSOURCE IN DER SOZIALEN ARBEITPRAKTISCH BETRACHTET KATHARINA PRÜNTE

Immer wieder begegnen uns in der Sozialen Arbeit Scham- und Peinlichkeitsgefühle, etwa, wenn Menschen sich ihrer Armut schämen. Oder in Beratung/Psychotherapie, wenn Klient*innen sich ihrer Probleme schämen. Unerkannte Schamgefühle können zu Depressionen, Sucht oder Wut führen – oder zur Blockierung bis hin zum Abbruch der Beratung. Daher ist es für Berufstätige in psychosozialen Berufsfeldern hilfreich, Schamgefühle zu erkennen, zu verstehen und konstruktiv mit ihnen umgehen zu können.
In diesem Workshop werden systemische Strategien und Methoden für die Arbeit mit Scham- und Peinlichkeitsgefühlen vorgestellt, demonstriert und geübt.“

Den Flyer mit einer Anmeldemöglichkeit können Sie downloaden:  Flyer_FachtagSCHAM_2022

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