Gute Praxis der Familienbildung?

Abschlussbericht Evaluation der Familienbildung in NRW

Die Evaluation der Familienbildung ist im Rahmen einer umfassenden Analyse familienunterstützender Maßnahmen in NRW entstanden und umfasste insgesamt sieben Module, darunter unter anderem eine Bestandsaufnahme, eine Wirkungsanalyse, in die die Erfahrungen von 1.200 Nutzer:innen der Angebote einbezogen wurden sowie eine repräsentative Befragung von 1.000 Familien in NRW.

Die Themen, die Familien am meisten beschäftigen, betreffen das Verhältnis zu den Kindern bzw. Erziehungsfragen, die Beziehung der Eltern untereinander und Fragen der Vereinbarkeit. Die Antworten mit der größten Zustimmung lauten: dass die Beziehung zwischen uns Eltern und dem Kind gut ist (76%), wie wir in der Familie miteinander reden und umgehen (70%), wie ich Beruf und Familie vereinbaren kann (67%), wie ich mein Kind richtig erziehe (64%), welchen Einfluss Smartphone und Internet auf mein Kind haben (57%) und dass meine Partnerschaft gelingt (52%).

Bei den angebotenen Themen ist der Bereich ‚Familie, Generation, Gender‘ mit knapp 80% der größte Block in der Angebotspalette, Angebote zur Förderung der Beziehungskompetenz der Eltern machten 5% davon aus. Ob die Angebote von Vätern genutzt werden, lässt sich nicht ermitteln, da lediglich ‚Teilnahmefälle‘ statistisch erfasst werden. 38 % der Einrichtungen halten spezielle Angebote für Väter vor, „nehmen aber aktuell nur eine (eher) geringe Nachfrage durch Väter war“.

In dem Abschnitt ‚Gute Praxis der Familienbildung‘ werden fünf Einrichtungen genauer in den Blick genommen. Zu der gemeinsamen Wahrnehmung der Zielgruppe Väter ist folgende Einschätzung zu lesen: „Ansonsten wird mehrheitlich beschrieben, dass sich Väter nicht durch die klassischen auf Reflexivität und Dialog angelegten Kursgruppen angesprochen fühlen und entweder Outdoor-Aktivitäten oder etwas Technisches bzw. Handwerkliches bräuchten. Zudem wird die Teilnahme von Vätern überwiegend abends oder an Wochenenden verzeichnet.

Diese Wahrnehmung, auch wenn sie inhaltlich mit Klischees behaftet ist, entspricht den Ergebnissen der beiden Erhebungen zur Väterarbeit aus 2003 und 2014 sowie dem Modellprojekt ‚Väter in der Familienbildung‘. Wenn aber im quantitativen Teil der Evaluation berichtet wird, dass die Angebote von Vätern kaum wahrgenommen werden, sind die Erkenntnisse offensichtlich nicht in die Praxis umgesetzt worden. Oder es besteht, wie es Vätern lange nachgesagt wurde, ‚Verbale Aufgeschlossenheit, aber eine weitgehende Verhaltensstarre‘.

Was also ist ‚gute‘ Väterbildungsarbeit und wie sieht eine entsprechende Praxis aus? Die in der Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit in NRW zusammengeschlossenen 28 Organisationen haben sich auf folgende Beschreibung ihrer Arbeit verständigt: Väterbildungsarbeit ist für sie psychosoziale oder kognitive Arbeit mit Männern, die Vater werden oder die als Vater wirksam sind. Sie betrachtet Vaterschaft als einen lebenslangen Prozess, der beeinflusst wird von der eigenen Kindheit und Vater-Erfahrung, von gesellschaftlichen Idealen und Erwartungen, der Entwicklung des Kindes, der Beziehung zur Mutter und aktuellen äußeren Einflüssen.

Lebensübergänge des Kindes (Schwangerschaft, Geburt, Kita/ Schule etc.) eigene Transitionen (Trennung, Arbeitslosigkeit, Krankheit …) sowie gesellschaftliche Veränderungen wie der Rollenwandel stellen einerseits Anforderungen an Väter, machen sie aber auch empfänglich für ressourcenorientierte Angebote, die ihnen die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Vätern eröffnen.

Väterarbeit findet überwiegend in nichtformalen Kontexten statt. Ein wichtiges Anliegen ist es jedoch auch, Beschäftigte in Bildungs- und Beratungseinrichtungen in die Lage zu versetzen, Väter anzusprechen und zu erreichen. Auch Personalverantwortliche in Unternehmen sind wichtige Akteure für Väter.

Vor diesem Hintergrund benötigen Väter vor allem Wertschätzung und Anerkennung, neue Normalitäten für ihre Vaterschaft, Räume und Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Vätern, Rahmenbedingungen um gleichberechtigte Partnerschaft leben zu können sowie väterbewusste Familienpolitiken und Unternehmenskulturen.

Die Themen und Diskurse, die Väter in den unterschiedlichsten Lebenslagen beschäftigen und von den Mitgliedern der LAG in den unterschiedlichen Formen aufgegriffen werden, lassen sich mit folgenden Überschriften beschreiben.

  • Weichenstellungen – Väter in der Geburtsvorbereitung
  • Väter als Erziehungspartner in Kitas
  • (Freizeit-) Angebote für Väter und Kinder
  • Vereinbarkeit – auch ein Thema für Väter
  • echte Männer reden – Beratung für Väter
  • Väter mit Zuwanderungsgeschichte
  • Geflüchtete Väter mit und ohne Familien
  • Trennung und Scheidung, Umgangs- und Sorgerecht

 

 

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