‚Re – Traditionalisierung‘? – Väter engagieren sich mehr in Familie!

In der öffentlichen Wahrnehmung von Familien in Corona Zeiten kommen Väter kaum vor. Doch welche Erfahrungen machen Väter in dieser Zeit? Mit welchen Problemen haben sie in ihren unterschiedlichen Lebenslagen zu kämpfen? Und wie lösen sie diese – gemeinsam mit ihrer Partnerin oder wenn sie von der Mutter ihres Kindes getrennt leben? Stimmt die oft verbreitete These, dass die Eltern wieder in traditionelle Rollenmuster zurückfallen: „Die Mutter ist für das Kind zuständig, der Vater für das Geldverdienen?“

Das wollten wir anlässlich des Internationalen Vatertags von den Organisationen wissen, die in der LAG Väterarbeit NRW Mitglied sind und in Kontakt zu tausenden Vätern stehen – über Telefon, Email WhatsApp und Videomeetings. Die Antworten waren vielfältig und zum Teil überraschend. Die Krise wirkt zum Teil wie ein Verstärker der vorhandenen Lebenseinstellungen, hat aber auch das Leben vieler Familien auf den Kopf gestellt.  Nicht wenige Väter, die zuvor noch der Hauptverdiener waren oder häufig wegen der Arbeit abwesend, fanden sich unvermittelt beschäftigungslos oder in Kurzarbeit als in der Rolle eines „Hausmannes“ wieder – um nun ihrer Partnerin, die einem systemrelevanten Beruf arbeitet, den Rücken bei der Kinderbetreuung oder Home Schooling freizuhalten. Vor allem für die Väter, die schon zuvor partnerschaftlich gedacht und gehandelt haben, war es selbstverständlich, stärker in die Familienarbeit einzusteigen. Das „neue Aushandeln“ ging nicht ohne Konflikte vonstatten, aber viele Väter haben dadurch, dass sie den Stress empfunden haben, den vielleicht bislang nur die Mutter kannte, auch ihr Verständnis für die Belastung ihrer Partnerin verbessert.

Väter und werdende Väter wurden mit Ihnen vorher unbekannten Herausforderungen konfrontiert:

  • Der klassische „Ernährer“ wie auch der junge Vater im Studium werden mit plötzlicher Betriebsschließungen, Jobverlust und Existenzängsten bedroht,
  • einige Väter, die darin ungeübt sind, sind von einem auf den anderen Tag für das Kochen, Einkaufen oder andere organisatorische Dinge zuständig,
  • Hobbys und sonstige Freizeitbeschäftigungen (Fußball, Freunde…) fallen komplett weg und somit auch jedes Ausweichen bzw. „Flucht“ vor der Familie,
  • andere Väter müssen zum ersten Mal und dann zu 100 Prozent im Home Office arbeiten, um gleichzeitig die Kinder zu betreuen,
  • viele Väter bekommen wegen all dem „mehr mit“ von ihren Kindern und genießen ihre Anwesenheit, auch wenn es ab und zu stressig wird,
  • Geburtsvorbereitungskurse fanden nicht statt, Väter durften stellenweise nicht mit in den Kreißsaal, um bei der Geburt dabei zu sein oder durften die Mutter nicht auf der Wöchnerinnenstation besuchen,
  • getrenntlebenden Vätern wurde manchmal durch die Ex-Partnerin der Umgang mit dem Kind aus Angst vor einer Infektion verweigert oder wegen der beruflichen Mehrbelastung öfter und länger ermöglicht,
  • alleinerziehende Väter haben die gleichen Probleme wie alleinerziehende Mütter, die sich am Rande des Existenzminiums bewegen.

Die meisten Väter haben flexibel auf die Krise reagiert, neue intensive Erfahrungen mit ihren Partnerinnen und Kindern gemacht, und in den meisten Fällen Veränderungen wie das Home-Office schätzen gelernt. Das partnerschaftliche Rollenmodell hat sich bewährt. Es führte zwar manchmal mehr Stress bei den Vätern, aber entlastet die Mütter, wie auch Umfragen zum Thema beweisen. Es war und ist richtig, Väter seit Einführung der Elternzeit stärker in die Familienarbeit zu involvieren, und es ist wichtig, sie noch mehr wahrzunehmen, zu stärken und ihnen Möglichkeiten und Räume für gegenseitigen Austausch und Weiterentwicklung zu bieten.

Vielen Dank an Jürgen Kura für die Auswertung der Befragung und diese Zusammenfassung.

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